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Vor Kurzem hat das Team von V Social ein wichtiges neues Mitglied bekommen: Juan, Ecuadorianer, leidenschaftlicher Naturschützer und unser neuer Conservation und Community Manager.
Für diese Aufgabe ist er nicht nur in den ecuadorianischen Amazonas gezogen, sondern hat uns auch in einem Interview etwas mehr über sich und seine Arbeit erzählt. Zunächst arbeitete er daran, in Industrie- und Landwirtschaft Prozesse umweltfreundlicher zu gestalten. Doch je mehr er sich mit ökologischen und sozialen Fragen auseinandersetzte, desto stärker verlagerte sich sein Engagement in Richtung systemischer Ansätze. Jetzt verbindet Juan wissenschaftliche Expertise mit der festen Überzeugung, dass Naturschutz nur funktioniert, wenn auch soziale Gerechtigkeit miteinbezogen wird.
Sein Heimatland Ecuador, mit seiner vielseitig bedrohten ökologischen und kulturellen Vielfalt, ist für ihn der ideale Ort, um beides zu kombinieren.
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Hey, ich bin in einem so artenreichen Land aufgewachsen und lebe immer noch hier. Dadurch hab ich hautnah erlebt, wie großartig die unberührte Natur ist, aber auch, wie sehr sie bedroht wird: Abholzung, Verlust von Lebensräumen, Ölförderung und die Ersetzung von einheimischen Wäldern durch Monokulturen oder Abholzungs- und Bergbauprojekte.
Mein Weg in den Naturschutz hat damit angefangen, dass ich das außergewöhnliche Naturerbe schützen wollte, das mich umgibt, und dass ich das Gefühl hatte, sofort handeln zu müssen, als ich gesehen hab, wie es zerstört wird.
Ich hatte die Gelegenheit, mit ländlichen Gemeinden in ganz Ecuador zu arbeiten – in den Anden, an der Küste und im Amazonasgebiet. Obwohl ihre Landschaften, Kulturen und sogar Sprachen unterschiedlich sind, eint sie oft ein tief verwurzeltes, auf die Region bezogenes, und zugleich grundlegend menschliches Ziel: der Wunsch, in Frieden und Wohlstand zu leben, ihre Identität zu bewahren, ihr Land zu schützen und bessere Chancen für die nächste Generation zu schaffen – und das alles, ohne ihre Heimat verlassen zu müssen.
Ihre größten Herausforderungen ähneln sich ebenfalls auffallend:
unregulierter Extraktivismus – also der Abbau natürlicher Ressourcen – oft ohne jegliche Mitbestimmung;
Vernachlässigung oder Untätigkeit von Seiten des Staates;
der Klimawandel, der durch die beiden vorherigen Punkte noch verschärft wird, wirkt sich bereits jetzt auf Wasserquellen, Biodiversität und die Widerstandsfähigkeit traditioneller Nutzpflanzen aus.
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Illegaler Rohstoffabbau in einem zerstörten Flussbett. Quelle: Ecociencia
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Öl-verschmierte Hände von Helfern nach einem Öl-Leck. Quelle: Dan Collyns
Während meiner Arbeit mit diesen Gemeinden habe ich erkannt, dass Naturschutz für sie keine isolierte Aktivität ist: Es ist eine gelebte, alltägliche Praxis aus Widerstand, Fürsorge und Anpassung. Sie zu unterstützen bedeutet, ihre Führungsrolle anzuerkennen und ihr Wissen und ihre Erfahrungen ins Zentrum jeder nachhaltigen Strategie zu stellen.
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Abholzung durch Extraktivismus in Ecuador. Quelle: Amazon Mining Watch
Davon gab es viele! Wenn du in Ecuador lebst, kannst du die Umwelt- und Sozialkrisen um dich herum nicht ignorieren: Ölkatastrophen in Schutzgebieten, Waldbrände in Biodiversitäts-Hotspots oder das schleichende, aber stetige Verschwinden der Mangroven. Gleichzeitig werden politische Entscheidungen oft zugunsten des Extraktivismus getroffen – auf Kosten von Gemeinden und Ökosystemen, was indigene Rechte und langfristige Nachhaltigkeit gefährdet.
Diese Momente sind zutiefst frustrierend, besonders wenn man merkt, wie schwer es ist, als Einzelperson etwas zu bewirken. Aber sie haben mir auch gezeigt, wie stark kollektives Handeln sein kann.
Ich habe verstanden, dass der einzige Weg nach vorn über Zusammenarbeit führt – Gemeinden, Fachleute, die Zivilgesellschaft und engagierte Menschen innerhalb von Institutionen. Echter Wandel entsteht durch solche Zusammenarbeit, Zuhören und das gemeinsame Entwickeln von Lösungen, die realistisch umsetzbar und inklusiv sind.
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Sinchi Warmi Projekt. Quelle: V Social
Eines meiner wichtigsten Erkenntnisse ist, dass Naturschutz nicht nur bedeutet, Ökosysteme zu schützen – sondern auch Lebensweisen zu erhalten, die eng mit der Natur verflochten sind.
Diese Gemeinden, vor allem im Amazonasgebiet und in den Anden, sehen Naturschutz nicht als etwas, das von außen kommt oder als Projekt, sondern als Teil ihres Alltags, der auf altem Wissen, Beobachtung und der Pflege ihres Landes basiert.
In Sachen Resilienz haben sie mir gezeigt, dass es um viel mehr geht, als mit Veränderungen einfach nur klarzukommen. Es geht darum, sich kreativ und gemeinsam anzupassen, trotz echter struktureller Hürden wie fehlende öffentliche Dienste, mangelnde Anerkennung von Landrechten oder die Gefährdung durch den Klimawandel.
Die Fähigkeit der Menschen, ihre Ökosysteme weiterhin zu verteidigen und gleichzeitig Raum für Dialog, Innovation und Weitergabe von Wissen an die jüngere Generation zu schaffen, ist wegweisend dafür, wie wir effektivere, kontextbezogene Naturschutzstrategien entwickeln können.
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Quelle: V Social
Ecuador braucht Naturschutz jetzt dringender denn je, weil das Land im Zentrum einiger der weltweit wichtigsten ökologischen und kulturellen Systeme liegt.
Ecuador zählt nicht nur zu den artenreichsten Ländern der Erde. Hier beginnt auch das Amazonasbecken – die Höhenlagen der Anden und Gletscher speisen die Flüsse, die weite Teile Südamerikas am Leben erhalten.
Heute steht dieses miteinander verbundene System unter enormem Druck:
Abholzung und Lebensraumverlust, oft durch Bergbau, Rodungen und wachsende Monokulturen, nehmen zu.
Die Biodiversität schrumpft schnell – auch endemischer und kulturell bedeutsame Arten gehen für immer verloren.
Die Gletscher der Anden ziehen sich infolge des Klimawandels zurück, was das natürliche Wassersystem gefährdet, das das Amazonasbecken speist – mit Auswirkungen auf die Wasserverfügbarkeit in mehreren Regionen.
Bodendegradierung durch nicht nachhaltige Landwirtschaft verringert die Bodenfruchtbarkeit und macht ländliche Lebensgrundlagen anfälliger.
Der großflächige Bergbau ist derzeit eine der unmittelbarsten und aggressivsten Bedrohungen. Er verändert nicht nur Ökosysteme, sondern beeinträchtigt auch indigene Territorien und führt zu sozialen Konflikten.
Die Schwächung der Umweltpolitik und der weiterhin fehlende Vollzug bestehender Schutzregelungen verschärfen die ökologische Krise.
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Soja-Monokultur. Quelle: Bruno Kelly
Was den Fall Ecuador besonders dringlich macht: Diese Veränderungen haben Auswirkungen auf den gesamten Kontinent. Den Amazonas hier – an seinem Ursprung – zu schützen, ist entscheidend für die Widerstandsfähigkeit des gesamten Beckens und darüber hinaus. Wenn wir jetzt nicht handeln, verlieren wir nicht nur Ökosysteme, sondern auch das Wissen, die Praktiken und die Menschen, die sie seit Generationen bewahrt haben.
Örtliche Gemeinschaften in Ecuador, insbesondere indigene und ländliche Bevölkerungen, stehen an vorderster Front des Naturschutzes. Ihr Engagement zeigt sich in alltäglichen Praktiken:
den Schutz der Wälder,
das Management von Wasserquellen,
der Anbau einheimischer Nutzpflanzen,
die Weitergabe angestammten ökologischen Wissens,
das Anführen von Wiederaufforstungsinitiativen zum Schutz ihrer Territorien,
die Mitgestaltung von Kartenmaterial, Naturschutzvereinbarungen und nachhaltigem Landmanagement.
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Quelle: Canva
Doch die Leute stehen vor erheblichen und immer weiter wachsenden Hindernissen: Besonders akut ist die Ausweitung von (legalen und illegalen) Bergbauaktivitäten, die nicht nur zur Abholzung und Zerstörung von Lebensräumen führen, sondern auch Flüsse mit Schwermetallen und Sedimenten verschmutzen. Diese Schadstoffe bleiben auch nicht vor Ort – sie fließen stromabwärts, reichern sich in den Wassereinzugsgebieten bis zum Amazonas an und bedrohen aquatisches Leben, Ernährungssysteme und die menschliche Gesundheit.
Zusätzlich sind die Gemeinden auch von anderen Rohstoffaktivitäten und der industriellen Landwirtschaft betroffen. Viele von ihnen haben keine richtigen rechtlichen Schutzmaßnahmen oder Anerkennung ihrer Landrechte und bekommen kaum Hilfe vom Staat. Manchmal werden sie sogar bedroht oder kriminalisiert, weil sie ihre Umwelt schützen wollen.
Trotz alledem zeigen die Gemeinschaften eine bemerkenswerte Widerstandskraft und Führungsstärke. Was ihnen im Weg steht, ist nicht fehlendes Engagement – sondern das Gewicht struktureller Ungleichheiten und ausbeuterischer Modelle, die kurzfristigen Gewinn über langfristige Nachhaltigkeit stellen.
Starke Frauen vom Sinchi Warmi-Projekt. Quelle: V Social
Der erste und wichtigste Schritt ist: sich zu informieren.
Die Umwelt- und Sozialdynamiken Ecuadors und anderer Länder zu verstehen – ihre Biodiversität, die Bedrohungen und die Rolle der örtlichen Gemeinschaften – ist entscheidend, um ein respektvoller und unterstützender Gast zu sein. Bewusstsein stärkt sowohl globale als auch lokale Interessenvertretung und Verantwortung – und Besucher:innen können dabei helfen, die Arbeit der Menschen vor Ort sichtbarer zu machen.
Ebenso wichtig ist die Unterstützung von gemeindebasierten Alternativen. Eine der direktesten Möglichkeiten ist es, sich auf Angebote des gemeinschaftsbasierten Tourismus einzulassen. Diese bieten nicht nur sinnstiftende Erfahrungen, die in heimischer Kultur und Wissen verwurzelt sind – sie schaffen auch nachhaltige Einkommensquellen für die Gemeinden, die ihr Land schützen.
"Naturschutz bedeutet nicht nur, Landschaften zu bewahren. Es bedeutet, die Menschen zu unterstützen, die dort leben – und Modelle zu stärken, die Natur und Lebensgrundlagen zugleich schützen."
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Quelle: Canva
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Quelle: V Social
Auf globaler Ebene sehen wir Rückschritte bei vielen Umweltverpflichtungen, wobei ausbeuterische Praktiken und kurzfristige Politik oft Vorrang vor langfristiger Nachhaltigkeit haben.
Was mir aber Hoffnung gibt, sind lokale Bemühungen, die trotzdem weiterbestehen. Besonders wenn sie von der Gemeinschaft getragen werden und auf echtem, gelebten Wissen über das Land basieren.
Ein Beispiel ist das Sinchi Warmi-Projekt in der Napo-Region, unterstützt von der V Social Foundation. Dank aktueller Bemühungen wurden 35 Hektar Wald nahe der Gemeinde für den Naturschutz gesichert. Auf diesem Land werden wir mit der Gemeinde zusammenarbeiten, um naturbasierte Lösungen umzusetzen, die Biodiversität zu überwachen, Arten zu zählen, einheimische Pflanzen zu schützen und die Baumdecke wiederherzustellen – und dabei gleichzeitig Wasserquellen, Böden und Ökosysteme vor ausbeuterischen Bedrohungen zu bewahren.
Das mögen im großen Ganzen kleine Erfolge sein, aber sie sind bodenständig, greifbar und auf Dauer angelegt – und genau das macht sie stark.
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Quelle: Canva